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Was ist ein Schiff?

Was ist ein Schiff?
by Earl of Cruise
... zuerst einmal ist ein Schiff, ein von Menschen gebautes Gefäß (engl. vessel), das Waren und Personen auf dem Wasser transportiert.
Ein Schiff erweckt in den meisten von uns die verschiedensten Gefühle. Einmal die pure Sehnsucht nach dem Meer, nach der Ferne, neuen Gestaden und Reisen.

Ein Schiff verursacht in vielen die Frage nach dem was hinter dem Horizont sein mag.

Ein Schiff transportiert Waren, Menschen und auch deren Gedanken und Erkenntnisse über das Meer. Es dient mit dem was es transportiert auch dem Kulturaustausch, nicht nur dem Handel.

Ein Schiff ist auch eine Schicksalsgemeinschaft. Denn die Menschen an Bord eines Schiffes sind in irgendeiner Form aufeinander angewiesen.

Ein Schiff ist das Synonym für das Entdecken und die Weite schlechthin.

Ein Schiff kann die Vision von Freiheit und Unabhängigkeit verwirklichen.

Ein Schiff symbolisiert die Grenzenlosigkeit und bietet eine Aussicht auf Souveränität.

Irgendeiner unserer Vorforderen erkannte, dass man sich auf einem Baumstamm auf einem Fluss oder See bewegen konnte. Später begann man dann Bäume dafür zurecht zu schneiden, um die lästigen Äste los zu werden. Dann noch einmal später begannen unsere Vorfahren gerade Stämme zusammenzubinden, um daraus ein Floß zu bauen. Andere wiederum die Bäume auszuhöhlen, um darin mehr als nur einen zu transportieren - vielleicht auch Vorräte.
Und irgendwann gingen die ersten Menschen auf die See. Mit Einbäumen mit oder ohne Ausleger und Flößen.
Denn der Mensch hat in sich den Drang zum Unsteten, zum Risiko - einige mehr, andere weniger. Vielleicht haben wir Menschen so etwas wie ein Entdeckergen in uns, dass uns antreibt das Unbekannte zu erforschen. Neue Gebiete, neue Nahrungsquellen, welche die ersten Menschen und seine Sippe oder Horde ernähren könnten. Der Mensch ist neugierig und wagemutig. So wanderte er aus Afrikas Steppen aus und besiedelte die Erde. Diese Menschen überwanden schon früh auch die Meere, um zu anderen Gestaden, neuen Nahrungsgründen, zu gelangen.
... und der Mensch hat seinen Ursprung im Wasser, wie alles Leben.
Und der größte Teil der Menschheit liebt das Wasser - man muss sich nur Kinder und Jugendliche am Strand oder im Schwimmbad in Erinnerung rufen. Da sieht man die unverkrampfte Verbundenheit zu dem nassen Element. Und selbst Erwachsene werden zuweilen im Wasser wieder zu Kindern.
Das Wasser ist zudem ein Lebensmittel. Das Süßwasser, überlebenswichtig, um nicht zu verdursten. Das Salzwasser, um darin Nahrung zu finden.
Aber, Schiffe waren das noch nicht, was da von unseren Vorfahren zusammen gebastelt wurde. Nur Mittel, um Distanzen auf dem Wasser zu überwinden.
Die Polynesier taten sich bei ihrem Drang neue Eilande zu entdecken besonders hervor. Ohne technische Hilfsmittel, aber mit gesammeltem und tradierten Wissen, besiedelten sie die schier unendlichen Weiten des Pazifik. Mit ihren perfekten Booten gelangten sie, aus Asien kommend, zu den entlegensten Inseln des Pazifik. Sie schufen dabei eine maritime Kultur.
Ein Schiff wird heute als Mittel wahrgenommen, um in die Ferne - über das Meer - zu gelangen.
Das Schiff ruft allgemein Konnotationen und Assoziationen hervor.
- Gefahr und Abenteuer
Für den Menschen als Landbewohner hat das Wasser, bzw. das Meer, gleichermaßen eine anziehende, wie auch abstoßende Wirkung. Einmal fürchtet sich der Mensch vor dem Wasser, mit seiner Kraft, in einem Fluss, oder in der Brandung des Meeres. Dann die Gezeiten der Ozeane, die neue Welten eröffnen. Andererseits ist es aber auch die Gefahr, welche lockt. Und wer wollte nicht schon mal kleiner Junge, aber auch Mädchen, Rennfahrer, Astronaut oder vielleicht auch Kolumbus oder Marco Polo sein.
- Gefahr und Piraterie
Neben den Wild-West-Geschichten erfreuen sich besonders auch Piratengeschichten großer Beliebtheit. Nur das die Desperados der Meere glorifiziert werden - Disney´s "Pirates of the Caribbean" ist da nur eines der vielen Beispiele.
Ein Pirat ist scheinbar frei von allen sozialen und kulturellen Verpflichtungen, und kann das machen, was immer ihm gerade in den Sinn kommt. Historisch belegt, lebten Piraten jedoch unter einem strengen Vertragssystem und strickten Hierarchien. Dieses waren aber Regeln nach einem sozialen und demokratischen Prinzip (einigermaßen gleiche Aufteilung der Beute, absolute Gleichberechtigung - egal welcher Herkunft), das unserer heutigen Demokratie weit näher war, als die Bedingungen der Menschen an Land, welche unter einem rigiden feudalen System ihr Leben an Land führen mussten.
Und doch waren die Piraten und Übel, dass den freien Welthandel auf den Meeren behinderte und gefährdete - nichts anderes als Terroristen.
- Kameradschaft
Um ein Schiff zu steuern, benötigt man, in der Regel, mindestens zwei Personen. Wer einmal längere Zeit auf einem Segelschiff verbracht hat weiß, dass eine Mannschaft ohne Gemeinschaftsgefühl nicht handlungsfähig ist.
Ein Kapitän kann noch so gut sein, er braucht eine "funktionierende" Crew.
- Leben
In der Romantik steht das Schiff als Symbol für den Aufbruch, die Reise und die Ankunft (in Verbindung mit dem Hafen - das Tor zur Welt) und bildet so eine Allegorie zum Leben selbst. Vor allem bei Caspar David Friedrich (1774 - 1840) tauchen sehr häufig Schiffe, Segelschiffe, auf, welche gen Horizont entschwinden. Ein Symbol für die Zeit des Umbruchs von der Feudalgesellschaft zur modernen Zivilgesellschaft, und dem Streben nach einem Leben ohne Ketten.
Seestück im Mondschein Romantik
 Caspar David Friedrich - Seestück bei Mondschein

- Hoffnung und Rettung
Zwar stellte eine Schifffahrt lange immer eine Gefahr für Leib und Leben dar, doch ist es ein Schiff am Horizont, für einen gestrandeten oft die einzige Hoffnung auf Rettung. Die Hoffnung einen Ort zu verlassen.
Die Kirchen sehen sich in dem Sinne als Schiff, eine Gemeinschaft, welche gemeinsam die Zeitläufte queren.
Das ist ein sehr altes Symbol. Hier steht das Meer für die Bedrohung durch Sünde und Tod. Und so manche moderne Kommunion Karte zeigt eben ein Schiff und/oder einen Leuchtturm.
Das Schiff ist aber ein Symbol für das menschliche Leben, welches wie eine Reise über das zum Teil stürmische Meer bis zum Hafen Gottes ist.
Die Arche Noahs dient den Kirchen als Vorbild für das Symbol des Schiffes.
Kirchen gliedern sich architektonisch im "Langhaus" in "Schiffen". 
In der Druckbranche gibt es das "Druckschiffchen", wie auch das "Schiffchen" bei dem Betrieb eines Webstuhles genutzt wird. 
Das Schiff ist ein Gefäß und wird so auch als Nachttopf wahrgenommen. Daher kommt auch der Begriff "schiffen" für regnen und urinieren.
In unzähligen Bildern und Filmen, in denen ein Schiff im Sturm zwischen tosenden Wellen wird, symbolisiert sich der ewige Kampf des Menschen mit den Naturgewalten im allgemeinen, aber auch mit den Schicksalsschlägen des Lebens und seinem Ankämpfen gegen seine Kleinheit und Vergänglichkeit.
White Star Line rms Titanic
Die TITANIC vor Cobh
Das bisher bekannteste Beispiel für Vergänglichkeit in der Geschichte ist die TITANIC. Im Zeitalter der Technikgläubigkeit, zum Ende der Belle Epoque, war sie das bis dahin größte gebaute Objekt, welches sich bewegte. Und das technisch, so glaubte man, das ausgereifteste. Allerdings lag im deutschen Kaiserreich das Typschiff von Albert Ballins Riesenschiffen auf der Helling - die IMPERATOR.
Die TITANIC sollte schon mit ihrem Namen die Überlegenheit und Größe ausdrücken. Zudem sollte sie das beste Schiff sein, welches die Menschheit bis dahin gesehen hatte.
Sie war nach den letzten Sicherheitsstandards und gesetzlichen Maßgaben konstruiert worden und wurde von der Presse als unsinkbar bezeichnet.
Und doch ging sie während der Jungfernfahrt mit mehr als 1.500 Menschen verloren.
Für C. G. Jung (GW12, 304) ist ein Schiff "ein Vehikel", dass ihn über das Meer und die Tiefen des (kollektiven) Unbewussten führt. Als menschliche Konstruktion hat es die Bedeutung eines Synonyms oder einer Methode. Der Gedankenflug geht voran, und die methodische Ausarbeitung folgt nach. An anderer Stelle (GW 8, 925) sieht er das Schiff als Mutterleib. "Schiff und Baum (Totenschein und Totenbaum) sind hier nah beisammen. Das Bild sagt, dass Ra aus dem Baum geboren emporstieg." "Hier finden sich alle Muttersymbole wieder vereinigt - Erde, Holz und Wasser." (GW5, 368).
Die "Wikinger" bestatteten ihre Führer und hohen Würdenträger in ihren Schiffen. Entweder setzen sie das Schiff auf See treibend in Brand, oder begruben das Schiff, wie einen Sarg, mit dem Verstorbenen und seinen Gütern für das Jenseits.
Bei den Griechen fuhr der Fährmann den Toten über den Styx in den Hades.
Die Ägypter glaubten, das die Sonne auf einer Barke den Himmel befuhr.
- Traumdeutung
Träume von Schiffen und Booten zeigen, wie der Träumende seine eigenen und die Gefühle anderer Menschen bewältigt. Sie können auch darstellen, wie der Träumende durch sein Leben navigiert und ob er es unter Kontrolle hat. Das Schiff steht für die Persönlichkeit und ihre Art sich im Leben zu behaupten. Häufig ist damit der Wunsch nach Veränderung verbunden, den man aber sorgfältig überlegen muss; vor allem das Schiff im Sturm oder Nebel kaum vor den Gefahren voreiliger Veränderungen warnen. Geht das Schiff unter oder liegt es auf dem Trockenen, kündigt das ein Scheitern von Plänen an, weil man sie wahrscheinlich nicht gründlich genug vorbereitet hat.
Ein Abweg?
Das Schiff, insbesondere das Passagierschiff, wurde schließlich in der Zeit des Imperialismus auch zum Träger der nationalen Identität. Vor allem nachdem sich die Reedereien des Deutschen Kaiserreiches, HAPAG und insbesondere der NDL, auf der prestigeträchtigen Nordatlantik Route, zwischen den Häfen an der Nordsee, des Ärmelkanals und dem New Yorks daran machten, die ursprünglich rein angelsächsische, besonders britische, Veranstaltung des Blauen Bandes zu erobern. Zuerst waren es nur die Gesellschaften, die Reedereien, die einen Rekordhalter besaßen. Mit dem Erscheinen der KAISERWILHELM DER GROSSE auf der Nordatlantik Route wurde es eine Frage der nationalen Ehre. Aber es blieb lange eine rein "handelsorientierte" Entscheidung ein größeres, luxuriöseres und schnelleres Schiff zu bauen.

Ein Schiff diente aber auch den Verzweifelten und Glückssuchern, die eine neue Heimat suchten, als Mittel, damals die einzige Möglichkeit, um in einem anderen Kontinent eine neue Existenz aufzubauen - die Auswanderer. Sie alle wollten dem Elend und rigiden Gesellschaft in Europa entkommen. Sie alle nahmen das Risiko einer Schiffreise auf sich, in zu anfangs katastrophalen Verhältnissen, nur um ihr Recht auf auskommen und Glück woanders zu fordern und zu finden.

Die Reichen und Mächtigen beiderseits des Atlantiks nutzten die Passagierschiffe zu den unterschiedlichsten Gründen für ihre Reisen an die jeweils andere Küste. Zugleich entstand aber auch eine "weltgereiste" Klasse. Und vielfach entstanden Freundschaften an Bord - man war ja in einer Schicksalsgemeinschaft auf unsicherem Terrain - dem Meer. Und nicht selten gab es Familien, insbesondere Mütter, die sich für ihre Kinder diesen "Heiratsmarkt" für ihre Kinder nicht entgehen lassen wollten.

Einige Linien, die bedient wurden, lebten nur von den staatlichen Postsubventionen, oder wurden nur wegen der Beförderung der nationalen Post überhaupt erst eröffnet. Auch hier hielt irgendwann die Frage nach dem "Prestige" Einzug.

Dann erstmals trat der Staat direkt mit Subsidien in den zivilen Wettbewerb auf dem Nordatlantik mit ein. Die britische Regierung unterstützte CUNARD bei dem Bau seiner neuen Superliner LUSITANIA und MAURETANIA. Dabei mischte sich die britische Admiralität mit ein, da sie die beiden Schiffe als Kriegsschiffe in ihrem strategischen Kalkül mit einbauen wollte.
Die LUSITANIA und ihr Schwesterschiff MAURETANIA wiesen Konstruktionsmerkmale der britische Seekriegsschiffe auf.

Aber erst mit der Weltwirtschaftskrise, welche 1929 mit dem Börsen Crash in New York ihren Anfang nahm, ließ die "Staatsschiffe" entstehen, die uns heutigen die 30er des letzten Jahrhunderts, als das "Goldene Zeitalter" der Schifffahrt sehen lassen.

stormy crossing with ss ts Bremen
Die BREMEN in schwerer See
Die BREMEN und EUROPA des NORDDEUTSCHEN LLOYD lösten mit ihrem Erscheinen wieder einen Wettbewerb aus, der uns eine NORMANDIE, eine QUEEN MARY und QUEEN ELIZABETH, eine NIEUW AMSTERDAM, eine REX und CONTE DI SAVOIA bescherten. Schiffe, die wir heute mit mehr oder weniger Ehrfurcht betrachten.
Aus der "doomed hull" wurde der Stolz Großbritanniens, die QUEEN MARY

Zur Arbeitsbeschaffung susidierten die Regierungen in Frankreich und Großbritannien den Bau von Superlinern. Später trat nach dem Muster Italiens auch Nazi-Deutschland (das III. Reich) in diesen Subventionswettlauf mit ein.

Jetzt allerspätestens wurde das Schiff neben dem Träger von Luxus, zu einem Schaufenster der Kunst und Kultur einer jeweiligen Nation, dessen Flagge am Heck geführt wurde. Aber auch zum Träger der jeweiligen Ideologie.
Diese "Ship of State" waren einmal "Arbeitsbeschaffungsmassnahmen", um die Arbeitslosigkeit in den jeweiligen Ländern zu bekämpfen, aber andererseits bescherten diese Maßnahmen das prächtigste, was die Meere bis dahin befahren hatte ... und nicht wenige trauern diesen "Staatsschiffen" nach.

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